Willkommen in der Depression

Wir alle sind soziale Wesen, aber mit der Diagnose „Depression“ verbinden sich oft noch Unsicherheit oder gar Ausgrenzung. Im äußersten Fall wenden sich Freunde und Familie von einem ab. Die innere Befindlichkeit verlangt aber geradezu nach Kontakt, nach Austausch, nach Geborgenheit und Verständnis. Als Betroffener muss man lernen, sich selbst wieder zu lieben, seine Gefühle zu zeigen und zu artikulieren.

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Nachgehakt

Am 29.8.2017 waren die Leipziger Direktkandidaten vom DGB ins Volkshaus geladen, um Wählerinnen und Wählern Rede und Antwort zu stehen. Für uns die Gelegenheit noch einmal nachzuhaken.

Dem Statement, dass die Arbeit in Selbsthilfegruppen wohl das Gemeinnützigste ist, was Gemeinnützigkeit wohl hergibt, konnte sich keiner entziehen. Deshalb stellten wir die Frage, was würden die Bundestagsabgeordneten denn dann dafür tun, dass es auch Selbsthilfegruppen legal möglich wird die Gemeinnützigkeit zu erlangen, um Spenden entgegenzunehmen und den Spendern auch eine entsprechende Bescheinigung auszustellen. 

Juristisch ein sehr verzwickter Inhalt, denn nach Lesart der Juristen bilden Selbsthilfegruppen wohl eher den Charakter einer GbR und diese kann im Gegensatz zu Vereinen oder GmbH keine Gemeinnützigkeit beantragen. Deshalb lautet die übliche Antwort aus Politik und Verwaltung, warum gründen Sie keinen Verein. Und genau das ist die Crux. Psychisch belastete Menschen haben gerade bei geistigen Prozessen das Problem, dass diese schwer fallen und wesentlich länger brauchen. Sie sind nicht 1 : 1 vergleichbar mit körperlichen Erkrankungen und Vorschläge, dann holen Sie sich doch gesunde mit ins Boot, die diese administrativen Aufgaben lösen, entspricht nicht dem typischen Charakter einer Selbsthilfegruppe, in der sich eben nur Betroffene ohne "externe" Führung zusammenschließen. Gründen Sie noch eine "offene" Gruppe, um dem Missstand in der medizinischen und therapeutischen Versorgung etwas entgegenzusetzen, dann wären sie permanent damit beschäftigt wieder einen neuen dreiköpfigen Vorstand zu wählen, statt sich auf die Arbeit mit den Betroffenen zu konzentrieren.

Aber wie wäre es mit einer einfachen Lösung. Allen bei den Gesundheitsämtern oder den Trägern der Selbsthilfeförderung registrierten Gruppen wird jährlich neu das Recht zugesprochen Spenden entgegenzunehmen und den Spendern auch eine entsprechende Quittung auszustellen. Zur Kontoführung sind Selbsthilfegruppe ja sowieso verpflichtet und die Abrechnung der Förderung muss auch gegenüber den Fördermittelgebern erfolgen.

PS: Ich ging nach der Fragerunde noch einmal auf Dr. Katzek zu und thematisierte etwas ausführlicher die Fragestellung. Nachdem er verstand, dass ich depressiv bin, kam doch die prompte Antwort: Sie machen gar nicht den Eindruck. Welchen Eindruck müssen wir den auf die "Normalen" machen? Gut dafür gibt es ja bei uns den Buchtipp: "Irre - wir behandeln die falschen, unser Problem sind die Normalen"

Neues auf der Website

Kreativ gegen Depression

Das sind WIR

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"Vom Ich zum Wir"

ist eine 20-minütige Dokumentation zur Selbsthilfe bei Depressionen. Unsere Selbsthilfegruppe ist einer der Protagonisten, des vom Land Sachen und der AOKplus geförderten und von picturesounds produzierten Films.

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Fragen an die Politik

Fünf Fragen an die Direktkandidaten Leipzigs zur Bundestagswahl 2017.

Die Antworten gibt es unter Depression trifft Politik

In großen Teilen der Bevölkerung besteht die Auffassung, dass sich depressive Menschen nur „mehr zusammenreißen“ müssen. Wenn Sie diese Auffassung nicht teilen, was würden Sie als Abgeordente/Abgeordneter im 19. Deutschen  Bundestag dafür tun, diese Meinung zurückzudrängen?

Welche gesundheitspolitischen Schritte werden Sie für eine bessere Versorgung und Integration psychisch erkrankter Menschen tun?

Warum würden Sie oder würden Sie keine depressiven Menschen in Ihrem Abgeordnetenbüro beschäftigen?

Abgeordnete des Bundestages haben die Möglichkeit, Menschen Ihres Wahlkreises in den Bundestag einzuladen und mit Ihrer Arbeit vertraut zu machen. Können Sie sich vorstellen, dies mit einer Gruppe von Depressionsbetroffenen zu tun, um dadurch mit Betroffenen direkt ins Gespräch zu kommen?

Noch immer werden 80 Prozent aller Suizide vor dem Hintergrund einer depressiven Erkrankung durchgeführt. In Leipzig sterben auf diese Art und Weise jährlich rund 60 Menschen – mehr als 5-mal so viele wie durch Verkehrsunfälle. Wie kann Ihrer Meinung nach diese Zahl verringert werden?